Der VJ-Coach

Getestet: SENNHEISER ClipMic digital

Das SENNHEISER ClipMic digital, ein Ansteckmikrofon für iPhone, iPad und iPod: Nur was für mobile reporting oder eine wirkliche Alternative zur Funkstrecke?

Seit zwei Jahren habe ich das RØDE smartLav in der Schublade liegen. Denn für professionelle Sprachaufnahmen reicht mir die Tonqualität nicht. Zuviel Rauschen, kein besonders guter Klang. Das Ding hat aber auch nur 50 Euro gekostet – was soll man dafür auch schon erwarten. Und noch ein weiterer Grund, warum ich das Mikrofon nie bei einem Dreh eingesetzt habe: Es wird in den Kopfhörereingang gesteckt. Es ist also nicht möglich den Ton während der Aufnahme zu kontrollieren, ein no-go für mich. Mittlerweile hat RØDE mit dem smartLav+ nachgebessert, aber erstmal zum SENNHEISER ClipMic digital

Kopfhörer bleibt frei

SENNHEISER hat mich neugierig gemacht, denn beim ClipMic digital bleibt der Kopfhörerausgang frei. Das Mikrofon (ME2) wird über den Lightning-Anschluss mit dem iPhone/iPod touch/iPad verbunden. Die Signalwandlung von analog nach digital erfolgt noch vor dem Gerät, nämlich durch den im Kabel eingebauten Apogee-Wandler. Das klingt auf dem Papier vielversprechend, deshalb habe ich es mir besorgt und ausprobiert. Um den Klang des SENNHEISER ClipMic digital einschätzen zu können, treten das RØDE smartLav+ (der Nachfolger des smartLavs ohne „plus“) und ein günstiges Lavaliermikrofon für Smartphones von walimex pro dagegen an.

Klanglicher Sieger ist für mich das SENNHEISER ClipMic, kostet auch 200 Euro [Amazon-Link*Thomann-Link] und ist damit mehr als doppelt so teuer wie das RØDE smartLav+ (70 Euro – Amazon-Link*). Der Preisunterschied ist deutlich hörbar. Das walimex pro muss sich bei einem Preis von 30 Euro [Amazon-Link*] nicht wirklich hinter dem RØDE verstecken.

Weniger Rauschen beim RØDE smartLav+

Mit der „plus“-Version des smartLavs hat RØDE das Eigenauschen im Vergleich zum Vorgänger so gut wie abstellen können.

RØDE smartLav+

Das RØDE smartLav+

Es gibt auch einen speziellen Adapter (RØDE SC6 | Amazon-Link*), über den sich zwei smartLavs gleichzeitig aufnehmen lassen plus Kopfhöreranschluss. Das entschärft das Problem mit dem Monitoring während der Aufnahme. Ob der Kopfhörer aber das Signal vor oder hinter der App abgreift und in wie weit dann zum Beispiel Funkstörungen bemerkt werden können, kann ich nicht sagen, da ich den Adapter nicht testen konnte.

Da das RØDE smartLav+ und das walimex pro einen TRRS-Klinkenstecker haben, lassen sie sich nicht ohne weiteres direkt an Videokameras/DSLRs oder an an anderen Aufnahmegeräten, wie zum Beispiel einem ZOOM oder TASCAM-Recorder, verwenden. Dafür braucht es einen Adapter (RØDE SC3 | Amazon Link*) vom vier-poligen TRSS auf drei-poliges TRS. Mit welchen Android-Smartphone sich das RØDE smartLav+ verträgt, ist hier unter „iOS or Android“ nachzulesen.

Eingeschränkte Bewegungsfreiheit

Beim SENNHEISER ClipMic bleibt die Kopfhörer-Buchse dankt der Lightning-Verbindung zwar frei, allerdings funktioniert das Mikrofon somit auch nur mit Apple-Geräten. Und grundsätzlich stellt sich aber die Frage, für welchen Einsatz sich das ClipMic eignet. Denn auch wenn die Tonkontrolle während der Aufnahme möglich ist, bin ich durch den Kopfhörer bzw. dessen Kabel wieder an das iPhone gebunden. Den Ton einfach über Bluetooth rauszugeben funktioniert weder in der RØDE Rec* App noch im Apogee MetaRecorder. Dafür bräuchte es einen externen Bluetooth-Transmitter [Amazon-Link*], der in die Kopfhörer-Buchse eingesteckt wird. So kann ich den Ton zwar abhören, aber um den Pegel nachzuregeln, muss ich dann doch wieder das iPhone in der Hand halten. Die iWatch versteht sich auch mit der Apogee-App, vielleicht ist das die Lösung – zumindest für alle die eine iWatch haben… für mich also nicht.

Fazit

In Sachen Klangqualität und aufgrund der Möglichkeit, über Kopfhörer den Ton während der Aufnahme kontrollieren zu können (wie auch immer), werde ich das SENNHEISER ClipMic digital sehr wahrscheinlich in kommenden Produktionen einsetzen. Das SENNHEISER MKE2 digital toppt das ClipMic wahrscheinlich noch, kostet aber 500 Euro – mir zu viel für ein Smartphone Mikro…

Das SENNHEISER ClipMic digital

Das SENNHEISER ClipMic digital

Eine Funkstrecke, durch die ich den Ton direkt an der Kamera pegeln und kontrollieren kann, wird das ClipMic für mich aber nicht ersetzen können. Doch unter entsprechenden Drehbedingungen (gesetztes Interview, Screencast, Tutorialvidoes) kann ich mir das ClipMic gut vorstellen. Als back-up Ansteckermic wird es definitiv seinen Platz in der Kameratasche bekommen, oder um unkompliziert Interviewfragen von hinter der Kamera mit aufzuzeichnen – hin und wieder braucht man’s ja. Auch für mobile reporting Einsätze oder auf Reisen mit kleinstmöglichem Gepäck ist das ClipMic sicherlich gut zu gebrauchen.

Was einem natürlich klar sein muss: Das Mikrofon arbeitet auf Kosten das iPhone-Akkus und die Datenübertragen (Mail, Dropbox, iTunes) ist etwas umständlicher als Dateien von einer SD-Karte zu kopieren oder gleich den Ton syncron zum Bild in der Kamera mit aufzuzeichnen. Wie immer gilt also: jede Technik hat seine Vor- und Nachteile. Man muss diese einfach nur kennen und wissen, damit umzugehen.


*hierbei handelt es sich um einen Affiliate Link: Wird über diesen Link das Produkt oder die App z.B. bei Amazon oder im Apple AppStore gekauft, erhält der VJ-Coach einen geringen Prozentsatz des für den Käufer unveränderten Kaufpreis.

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1 comment for “Getestet: SENNHEISER ClipMic digital

  1. Gerd
    28. Juli 2015 at 21:55

    Hallo Markus,
    interessanter Vergleich. Mich hat etwas das Zischen des Sennheiser im Studio gestört. Draußen ist für mich die Deadcat auf dem Smartlav+ Pflicht. Ich nutze es auch direkt in die Cam. Mit dem SC3, den du genannt hast. Gute Erfahrungen habe ich auch mit einem Stereo-Splitter gemacht. Die eine Spur Lavalier, die andere Mikro in Cam. Damit kann ich Sprache und Atmo in der Post nach Beliebn steuern.
    Viele Grüße
    Gerd

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